Nutzhanfexperten kritisieren: Cannabis-Anbau durch Landwirte ist Unsinn

Der Vorsitzende des Nutzhanf-Netzwerks hat sich in einer Pressemeldung zu den jüngsten Aussagen des Landwirtschaftsminister Cem Özdemir geäußert: „Man sollte uns Landwirten in Sachen Legalisierung von Cannabis zu Rauschzwecken keine falschen Hoffnungen machen” Der Anlass war die Ansage des Grünen-Politikers, dass Bauern hierzulande in den Startlöchern für den Cannabis-Anbau stünden. Der Nutzhanf-Verein will nun die Erwartungen dämpfen.

Die Politik äußert sich zum Thema Cannabis-Anbau

An verschiedenen stellen hat sich die Politik in den letzten Wochen zum Thema Hanf geäußert. Auch der Bauernpräsident sagte: „ Wenn die Bauern den Samen haben, können sie loslegen.“ Um die Erwartungen zurück zu kurbeln, warf der Vorsitzende des Nutzhanf-Netzwerk Joachim Klack ein, dass maximal 1.100 Hektar landwirtschaftlicher Anbaufläche völlig ausreichen, um den deutschen Absatzmarkt mit Cannabis zu Rauschzwecken zu beliefern. Zu seiner Rechnung nutzt Klack die Daten der Haucap-Studie, die von einem jährlichen Gesamtbedarf an Rausch-Cannabis für Deutschland von maximal 530 Tonnen ausgeht. Demgegenüber setzt er den Flächenertrag mit 500kg/Hektar an. “Der Anbau von Cannabis zu Rauschzwecken ist also nur eine Nische, aber keine Flächenkultur”, kommentiert Klack.

Die Realität des Cannabis-Anbaus

Rechenbeispiele gehen von anderen Daten aus. Der Rechtsanwalt Kai-Friedrich Nierman fand abweichende Zahlen. Kritik richtete er an den Aufwand und die Kosten, die für eine Cannabisproduktionsstätte nötig sein. Nach seinen Berechnungen seine Investitionen nötig, die mindestens 15-20 Millionen Euro betragen, verbunden mir einer Planungs-und Realisierungsphase von mindestens 3-4 Jahren.

Andere Cannabisblogger weisen außerdem darauf hin, dass Landwirte, die in Deutschland unter freiem Himmel Blüten produzieren, dies nicht mit konstantem Cannabinoid-Gehalt tun können. In Fachgeschäften sei es aber wichtig für Konsument:innen, dass sie wissen was genau sie erhalten. Auch das Nutzhanf-Netzwerk ist sich in diesem Punkt einig, dass gleichbleibende Qualität nur in Unterdachbau wie beispielsweise Gewächshäusern gegeben ist, da die Umgebung so witterungsunabhängig ist.

Die Anforderungen des Cannabis-Anbaus

Zu erwarten ist also, laut Hanfexperten, dass für den Anbau von Cannabis zu Rauschzwecken ähnlich hohe Anforderungen wie beim Anbau von Medizinischem Cannabis zu erwarten seien. Verwiesen wird an dieser Stelle auch auf “strenge Sicherheitsvorkehrungen für die Anbaustätten” sowie die “ausschließliche Abgabe des Erntematerials an die staatliche Cannabisagentur”. Wohlgemerkt steht hinter beiden Punkten aktuell noch ein Fragezeichen.

Man sollte an dieser Stelle nicht vergessen, dass dem Nutzhanf-Netzwerk der Anbau von Nutzhanf ein Anliegen ist. Der Anbau für Rauschzwecke steht hier nicht unbedingt im Mittelpunkt. Die Anbauflächen mit Nutzhanf nehme von Jahr zu Jahr zu. So seien in Deutschland im Jahr 2021 laut amtlicher Statistik 6.444 Hektar angebaut worden.